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Spice Girl Melanie C: „Wir haben den Feminismus jungen Frauen …

Melanie C

Spice Girl Melanie C: „Wir haben den Feminismus jungen Frauen …

1995 erschien die erste Single der Spice Girls, und Girlpower wurde zum Phänomen der Popkultur. 25 Jahre später macht ein Spice Girl noch immer erfolgreich …

Interview :
Spice Girl Melanie C: „Wir haben den Feminismus jungen Frauen schmackhaft gemacht“

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Berliner Zeitung

Interview : Spice Girl Melanie C: „Wir haben den Feminismus jungen Frauen schmackhaft gemacht“

1995 erschien die erste Single der Spice Girls, und Girlpower wurde zum Phänomen der Popkultur. 25 Jahre später macht ein Spice Girl noch immer erfolgreich Musik: ein Gespräch mit Mel C alias Melanie Chisholm über ihr neues Album.

17.10.2020 – 14:32, Anne Lena Mösken

In ihr steckt immer noch ein bisschen „Sporty“, auch wenn man es ihr nicht immer ansieht: Melanie Chisholm.Foto: David M. Benett

BerlinDer Bildschirm ist schwarz, die Stille vor dem Call, eines dieser neuen Phänomene unseres Alltags mit Corona, ein paar Minuten gefüllt mit Fragen: Funktioniert die Technik, sitzt die Frisur, sind alle Familienmitglieder außer Reichweite? Jetzt aber dauert die Stille schon eine halbe Stunde, Melanie Chisholm ist spät dran. Dann, plötzlich, erklingt ihre Stimme, rau wie Seide, mit diesem charmanten britischen Akzent, unverkennbar für jeden, der in den Neunzigern erwachsen geworden ist.

Und selbstverständlich sieht sie toll aus, sitzt im Halbdunkeln, schwarzer Pulli vor schwarzem Sofa. Melanie Chisholm ist jetzt 46 Jahre alt, sie sieht nicht mehr aus wie 22, klar, sondern hat jetzt diese alterslose Schönheit, die nur aus der Kombination von glücklichen Genen, gutem Make-up und perfekter Beleuchtung entsteht. Und dann ist sie auch noch wahnsinnig nett! Nachdem sie sich zehnmal fürs Zuspätkommen entschuldigt hat, kann das Gespräch losgehen.

dpa/Christian CharisiusZur Person

Melanie Chisholm wurde 1974 in der Nähe von Liverpool geboren. Mit 20 Jahren wurde sie Teil der Girlband „Spice Girls“, die kurz darauf ihre erste Single „Wannabe“ veröffentlichte und damit weltweit die Charts eroberte. Als „Sporty Spice“ war Chisholm bekannt für die Kombination Trainingshose zu bauchfreiem Top sowie wilden Flick-Flacks. Nach dem Ende der Spice Girls 1998 begann ihre Solo-Karriere. Bis heute ist sie das Spice Girl, das am meisten Platten verkaufen konnte. Anfang Oktober erschien ihr achtes Studioalbum „Melanie C“.

Berliner Zeitung: Auf Ihrem neuen Album singen Sie davon, dass Ihnen endlich gefällt, was Sie im Spiegel sehen, dass Sie sich nicht mehr verstellen müssen.  Klingt, als würden Sie Ihre Zeit bei den Spice Girls verarbeiten.

Melanie Chisholm: Die Texte auf dem Album sind tatsächlich entstanden, nachdem ich vergangenes Jahr wieder mit den Spice Girls auf der Bühne stand. Wir hatten 13 Auftritte zusammen, sind durch die großen Stadien in Großbritannien und Irland getourt, und als ich wieder mit den anderen zusammen war, wieder Sporty Spice war, 25 Jahre nachdem „Wannabe“ herauskam, das hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe schon so viele Persönlichkeiten ausprobiert. Und ich bin auch sehr gerne Sporty Spice gewesen. Aber erst jetzt habe ich alle Facetten von mir schätzen gelernt. Ich bin Melanie C, Mama, Freundin und auch jeden Tag ein bisschen Sporty. Es geht darum, den Mut zu haben, man selbst zu sein und das zu feiern.

Ist das auch eine Art Botschaft an Ihr 22-jähriges Ich?

Ja, alles, was ich meinem jüngeren Ich sagen würde, kann ich so viel einfacher mit Musik ausdrücken. Das ist wie eine Katharsis für mich. Ich habe selbst immer sehr gerne Musik gehört, als Teenager lag ich stundenlang vor meiner Stereoanlage. So viele Fans schreiben mir, dass meine Musik ihnen in schweren Zeiten geholfen hat. Das ist toll, wenn man das als Künstlerin kann.

Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten Musikerin. So viel hat sich verändert in dieser Zeit. Früher musste man MTV anschalten und warten, dass ein Musikvideo der Spice Girls kam. Heute sieht man Sie auf Instagram in Ihrem Badezimmer singen. Wie ist diese Veränderung für Sie?

Tatsächlich ist vieles gleich geblieben. Wie ein Song entsteht, das ist nicht viel anders als damals. Was dann kommt, hat sich tatsächlich sehr verändert, allein die ganze Technologie. Als wir mit den Spice Girls im Studio waren, standen da noch riesige Tonbandgeräte herum, alles dauerte wahnsinnig lange. Heute geht alles so viel schneller. Und der Kontakt zu den Fans ist viel enger.

Verspüren Sie den Druck, dass jeder Ihrer Songs ein 15 Sekunden langes TikTok-taugliches Stückchen hat?

Meine Tochter ist verrückt nach TikTok, sie ist elf Jahre alt, sie kann alle Dance Moves, sie sieht cool aus dabei. Wenn Mama das versucht, fühle ich mich unglaublich alt. Vieles auf meinem Album klingt sehr zeitgemäß, man könnte es sicher auf TikTok hören, ich habe mit Künstlern gearbeitet, die viel jünger sind als ich. Ich lasse mich komplett darauf ein, wie sich Musik weiterentwickelt hat, aber ich würde mich unwohl dabei fühlen, Musik für TikTok zu schreiben. Ein Teil von mir ist eben eher altmodisch, ich muss Musik machen, die mich selbst zufrieden macht.

Sie haben jetzt mit dem Dragqueen-Kollektiv „Sink The Pink“ zusammengearbeitet. Warum?

„Sink the Pink“ hatten mich mehrmals eingeladen, auf ihren Partys und Festivals zu spielen. Das waren tolle Abende, alle waren verkleidet, vollkommen verrückt angezogen. Als ich zum ersten Mal mit Dragqueens aufgetreten bin, war das Publikum begeistert. Danach war klar, dass wir zusammen weitermachen wollen. Sie haben mir damit die Möglichkeit gegeben, eine Verbündete der LGBTQ+ Community zu werden. Es gibt auch viele Gemeinsamkeiten mit den Spice Girls: Es geht um Individualität, darum, zu sein, wer du bist, und um das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Und das wollen wir doch alle.

Haben Sie bei diesen Partys auch mal eine Sporty-Spice-Dragqueen getroffen?

Ja, mehrmals. Margot, eine der Dragqueens, mit denen ich auftrete, hat mich einmal als Sporty Spice überrascht, ich musste sie dann schnell von der Bühne scheuchen. Es kann nur eine Sporty Spice geben.

Alles, was Sie gerade erzählen, klingt wie aus einem anderen Leben: Konzerte, wilde Partys. Vermissen Sie das?

Mehr als alles andere. Nicht zu performen ist hart. Was mich wirklich antreibt als Musikerin, ist vor Menschen zu spielen. Die Verbindung, die dabei entsteht, ist etwas ganz Besonderes. Im September konnte ich auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg auftreten, es war großartig, wieder vor Menschen zu performen, wenn auch mit Abstand. Mein Album musste ich mit einem Online-Konzert vorstellen. Ich habe viele liebenswerte Kommentare von meinen Fans bekommen. Aber das ist nicht das Gleiche. Ich hoffe, es wird nicht mehr so lange dauern, bis ich wieder rausgehen und für alle performen kann.

Wie sind Sie durch den Lockdown im Frühjahr gekommen?

Ich habe Bananenbrot gebacken. Ich mache ein wirklich gutes Bananenbrot. Es war für mich wie für alle anderen: eine ziemliche Herausforderung. Es gab Tage, an denen war ich sehr motiviert, an anderen überhaupt nicht. Es war hart, das Kind den ganzen Tag zu Hause zu haben. Die Arbeit an meinem Album hat mir zumindest ein bisschen geholfen, nicht wahnsinnig zu werden.

Wenn Sie mal Bilanz ziehen: 25 Jahre nach den Spice Girls, wo stehen wir heute in Sachen Girlpower und wie viel davon ist Ihr Verdienst?

Wir werden heute noch oft auf der Straße angesprochen: Oh my gosh, ihr wart so wichtig für mich als Teenager, ihr habt mir so viel Mut gemacht! Die Spice Girls waren sicher nicht alleine dafür verantwortlich, aber wir haben dabei geholfen, Feminismus einer jüngeren Generation verständlich zu machen. Davor war Feminismus eine sehr elitäre, politische Angelegenheit, die eher einschüchternd wirkte. Wir haben das jungen Frauen schmackhaft gemacht. Und das war so wichtig. Girlpower hat sich mittlerweile komplett von den Spice Girls losgelöst, ist in die Popkultur eingedrungen. Meine Tochter und ihre Freundinnen haben T-Shirts an, auf denen „Girlpower“ steht, die wissen nicht, dass das mal ein Ding der Spice Girls war. Auf dieses Erbe sind wir sehr, sehr stolz.

Die Spice Girls 1997: Melanie Chisholm, Emma Bunton, Melanie Brown, Victoria Adams und Geri Halliwell (von links).Foto: Imago Images/Mary Evans

So, und jetzt die unvermeidbare Frage: Wird es wieder einen gemeinsamen Auftritt der Spice Girls geben?

Das hoffe ich! Wir reden darüber. Wir treten ja in großen Konzerthallen auf. Die Pandemie hat also alle Pläne über den Haufen geworfen. Aber wir wollen definitiv wieder zusammen auf der Bühne stehen.

Und irgendwann sind Sie sowas wie die weiblichen Rolling Stones?

Warum nicht. Mir gefällt die Vorstellung, dass wir weiter zusammen Spaß haben und noch viele Jahre zusammen auftreten.

Allerletzte Frage: Ich habe gelesen, Sie schaffen fünf Klimmzüge, Ihr Ziel seien aber zehn. Sind Sie schon so weit?

Gosh, ich schaffe wahrscheinlich nicht mal mehr fünf, mit meiner Fitness ist es während des Lockdowns ziemlich bergab gegangen. Aber ja, ich liebe Sport immer noch sehr. Ich kann jedem nur raten, Sport zu machen, das wirst du nie bereuen.

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